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23.06.2017

Kinder retten Rehkitz

Ende Mai sah ein Kind ein paar Tage altes Rehkitz auf unserem Grundstück. Dem Kind, Moritz 7 Jahre alt, viel ein ungewöhnliches Schreien auf, dass eher auf das Schreien eines Raubvogels hindeutete. Als Moritz dem Schreien folgte, sah er das kleine Rehkitz in der Wiese liegen. Moritz informierte einen Erwachsenen. Es wurde vereinbart, dass Rehkitz in Ruhe zu lassen, da in der Regel die Mutter wieder kommt. Nach vielen Stunden, mit immer wiederkehrendem Schreien nach der Mutter, kam sie dann auch. Wir konnten das von einer Stelle weiter weg beobachten. Zu sehen war auch, dass die Mutter gerade ein weiteres Rehkitz zur Welt bringt. Wir konnten die Beine schon sehen. Da es schon spät abends war, zogen wir uns zurück. Am anderen Morgen schauten wir wieder wie es den Rehen geht. Die Mutter lag immer noch in einer Wiese unseres Grundstückes. Wir sind nicht näher ran gegangen, um die Rehmutter nicht aufzuscheuchen. Wir waren in gutem Glauben, dass alles in Ordnung sei. Mittags hörten wir dann wieder das Schreien des Rehkitzes. Wir schauten nach und sahen, dass es neben der toten Rehmutter lag. Die Geburt des zweiten Rehkitzes ist leider völlig schief gelaufen. Das zweite Rehkitz ist im Geburtskanal hängen geblieben. Dadurch ist auch die Rehmutter gestorben. Hätten wir das gewusst, hätten wir bei der Geburt Hilfe leisten können…
Doch jetzt galt unsere Sorge dem Rehkitz. Das hatte wohl schon länger keine Nahrung mehr bekommen. Wir haben dann gemeinsam recherchiert, was ein Rehkitz in dem Alter zu trinken bekommt. Ziegenmilch wurde als eine gute Alternative zur Muttermilch empfohlen. Wir haben umgehend Ziegenmilch besorgt und das Rehkitz mit einem Fläschchen erstversorgt. Parallel dazu haben wir in der Wildtierhilfe Lüneburger Heide angerufen. Wir haben vereinbart, dass Rehkitz dort hinzubringen, damit es aufgezogen werden kann. Moritz ist mit einer Mitarbeiterin und dem Rehkitz zur Wildtierhilfe gefahren. Dort angekommen, konnte das Rehkitz übergeben werden. Später haben wir uns telefonisch noch einmal nach dem Rehkitz erkundigt. Eine Mitarbeiterin sagte, dass es sich prächtig entwickelt und dem Namen „Kleiner Strolch“ erhalten hat.
Für Moritz und seine Geschwister war das eine ganz tolle Nachricht. Sie selber sind aus schlimmsten Verhältnissen gerettet worden. Zuvor hatten sie ein jahrelanges Martyrium mit brutaler Gewalt, sexuellen Misshandlungen und Hoffnungslosigkeit erleben müssen. Jetzt konnten sie selbst ein Lebewesen erfolgreich retten. Die Tatsache, selbst jemanden das Leben gerettet zu haben, war eine ganz tolle und wichtige Erfahrung für die Kinder.
Die tote Rehmutter konnten wir nicht auf unserem Grundstück zur Verwesung liegen lassen. Wir haben dann die zuständigen Jagdpächter angerufen und ihnen die Situation mit dem toten Reh erklärt. Die haben sich bereitwillig und umgehend auf den Weg zu uns gemacht, um das tote Reh zu bergen. Als sie dann erfahren haben, dass es ja noch ein lebendes Rehkitz gibt und wir es zur Rettung weg gebracht haben, wurde uns erklärt, dass wir uns damit der Wilderei schuldig gemacht haben. Wir dürfen nicht einfach Wild aus dem Revier nehmen. Wir hätten nicht die Wildtierhilfe anrufen sollen, sondern gleich die Jagdpächter. Wir denken nicht, dass wir für unsere Rettungsaktion eine Anzeige wegen Wilderei bekommen.

 
 

 © Kinderheim Kleine Strolche Asendorf

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